„Was heißt hier ‚wir‘? Auf der Suche nach der ‚deutschen Identität‘“ – Theatervorstellung am 18.11.2025

Am Dienstag, den 18.11.25, fand im Rahmen der Hist4Dem Aktionswoche die Aufführung des Theaterstücks „Was heißt hier ‚wir‘? Auf der Suche nach der ‚deutschen Identität‘“ statt. Das Stück der zweiköpfigen Theatergruppe Eure Formation mit den Schauspielern Lukas Ullrich und Till Florian Beyerbach begann um 18.00 Uhr in der Aula im Waldweg und lehnte sich an einen Aufsatz von Heinrich Detering an. Im Anschluss an das Stück luden die Schauspieler unter Moderation von PD Dr. Franziska Rehlinghaus und PD Dr. Benjamin Möckel zu einem Publikumsgespräch ein.

In dem Stück griffen Ullrich und Beyerbach zentrale Themen unserer heutigen Zeit auf. Vor dem Hintergrund zunehmender rechtsextremer und demokratiefeindlicher Bewegungen fragten sie, wie der Einfluss rechter Gruppen eingedämmt und der gesellschaftliche Diskurs wieder zurückerobert werden könne. Durch Sprechgesänge appellierten sie an die Zuschauer, rechte Narrative zu dekonstruieren, Emotionen, die in den Medien geschürt würden, nicht die „Oberhand“ gewinnen zu lassen und stattdessen selbst die „Bühne“ zu „übernehmen“, um diskursfähig zu bleiben. Während die Intention des Stücks bei den zahlreichen Zuschauern durchaus Anklang fand, offenbarte die inhaltliche Ausgestaltung einige Unschärfen. Insbesondere die fragwürdige Inszenierung einer „Holocaust-Spielshow“ sorgte jedoch für Irritationen im Publikum.

Im Anschluss an die Aufführung eröffneten PD. Dr. Franziska Rehlinghaus und PD Dr. Benjamin Möckel das Publikumsgespräch und betonten zunächst die Verantwortung von Historiker*innen, sich zu positionieren und ihr Wissen über die Vergangenheit mit der breiten Gesellschaft zu teilen. In der folgenden, regen Diskussion fragten die Zuschauer*innen nach einem sensiblen Umgang mit authentischen Opferschicksalen in Theaterproduktionen, nach dem Stellenwert, den das Stück Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund zuschreibt und wie weit Theater gehen dürfe, um die Menschen aus ihrer Komfortzone zu locken. Viele mahnten einen differenzierteren Umgang mit historischen Erkenntnissen für die Deutung gegenwärtiger Entwicklungen an. Alles in allem warf das Theaterstück also spannende Fragen auf, die teilweise auch in den Lehrveranstaltungen des SMNG weiterdiskutiert wurden. Die Beantwortung dieser Fragen wurde am Abend selbst jedoch weitgehend dem Publikum überlassen.

Ein Bericht von Lorena Larbig


On Tuesday, November 18, 2025, as part of the Hist4Dem action week, the play “What does ‘we’ mean here? In search of ‘German identity’” was performed. The play by the two-person theater group Eure Formation, featuring actors Lukas Ullrich and Till Florian Beyerbach, began at 6:00 p.m. in the auditorium on Waldweg and was based on an essay by Heinrich Detering. Following the play, the actors invited the audience to a discussion moderated by PD Dr. Franziska Rehlinghaus and PD Dr. Benjamin Möckel.

In the play, Ullrich and Beyerbach addressed key issues of our time. Against the backdrop of growing right-wing extremist and anti-democratic movements, they asked how the influence of right-wing groups could be curbed and social discourse reclaimed. Through chants, they appealed to the audience to deconstruct right-wing narratives, not to let emotions stirred up in the media gain the “upper hand,” and instead to “take over the stage” themselves in order to remain capable of discourse. While the intention of the play was well received by the large audience, the content revealed some ambiguities. In particular, the questionable staging of a “Holocaust game show” caused irritation among the audience.

Following the performance, PD Dr. Franziska Rehlinghaus and PD Dr. Benjamin Möckel opened the audience discussion, emphasizing the responsibility of historians to take a stand and share their knowledge of the past with society at large. In the lively discussion that followed, audience members asked about the sensitive treatment of authentic victims‘ fates in theater productions, the significance the play attributes to women and people with a migrant background, and how far theater should go to lure people out of their comfort zone. Many called for a more nuanced approach to historical knowledge in interpreting current developments. All in all, the play raised exciting questions, some of which were further discussed in the SMNG’s courses. However, answering these questions was largely left to the audience on the evening itself.

A report by Lorena Larbig