{"id":236,"date":"2025-11-17T13:58:23","date_gmt":"2025-11-17T12:58:23","guid":{"rendered":"https:\/\/news.uni-goettingen.de\/sicherheitswesen\/?p=236"},"modified":"2025-11-18T11:21:14","modified_gmt":"2025-11-18T10:21:14","slug":"gentechnische-arbeiten-mit-onkogenen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/news.uni-goettingen.de\/sicherheitswesen\/2025\/11\/17\/gentechnische-arbeiten-mit-onkogenen\/","title":{"rendered":"Gentechnische Arbeiten mit Onkogenen"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Risikobewertung gentechnischer Arbeiten betrachtet u.a. Nukleins\u00e4uren, die in Organismen eingebracht werden und so zum Gefahrenpotential des entstehenden GVOs beitragen k\u00f6nnen. Hierzu geh\u00f6ren Nukleins\u00e4uren mit sog. neoplastisch transformierenden Potential. Was ist bei solchen Arbeiten zu beachten?<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Hintergrund<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hinter dem sperrigen Begriff Nukleins\u00e4uren mit plastisch transformierendem Potential verbergen sich Onkogene genauso wie Tumorsuppressoren aber auch nicht kodierende DNA-Abschnitte sowie RNAs.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Arbeiten mit solchen Nukleins\u00e4uren gelten zum Teil besondere Vorsichtsma\u00dfnahmen f\u00fcr den Personenschutz, die sich auch hinsichtlich des verwendeten \u00dcbertragungsweges (z.B. retroviral, AAVs) unterscheiden und \u00fcber die allgemeinen Vorgaben an die Sicherheitsstufe (z.B. S1 oder S2) hinausgehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Informationsbeschaffung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Nukleins\u00e4ureabschnitt wird dann als potenziell neoplastisch transformierend f\u00fcr humane Zellen eingestuft, wenn dessen urs\u00e4chliche Beteiligung an der Entstehung von Tumoren nachgewiesen wurde. Dies ist z.B. der Fall, wenn gezeigt wurde, dass sie im Tierversuch Tumore erzeugen oder in in vitro S\u00e4ugetierzellen transformieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur leichteren Einordnung f\u00fchrt die ZKBS eine Datenbank mit Genen und Nukleins\u00e4uren, die bereits hinsichtlich ihres onkogenen Potentials bewertet wurden. Hier findet sich auch bereits h\u00e4ufig ein Hinweis auf die einzuhaltenden Schutzma\u00dfnahmen: <a href=\"https:\/\/zkbs-online.de\/datenbanken\/onkogene\">https:\/\/zkbs-online.de\/datenbanken\/onkogene<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Stellungnahmen der ZKBS besch\u00e4ftigen sich mit der grunds\u00e4tzlichen Bewertung solcher gentechnischen Arbeiten: Vorsichtsma\u00dfnahmen beim Umgang mit Nukleins\u00e4uren mit neoplastisch transformierenden Potential (<a href=\"https:\/\/zkbs-online.de\/fileadmin\/user_upload\/Downloads\/Stellungnahmen\/Zellbiologie\/Nukleinsaeuren_mit_onkogenem_Potenzial_2016.pdf\">Az. 6790-10-01<\/a>) und Bewertung von GVOs, in die solche Nukleins\u00e4ureabschnitte eingef\u00fchrt wurden (<a href=\"https:\/\/zkbs-online.de\/fileadmin\/user_upload\/Downloads\/Stellungnahmen\/Zellbiologie\/GVO_mit_Nukleins%C3%A4uren_mit_onkogenem_Potenzial_aktualisiert_2025.pdf\">Az. 08020203.0002.0005 <\/a>fr\u00fcher 6790-10-36).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>GVO-Einstufung und Schutzma\u00dfnahmen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul>\n<li>Handelt es sich bei den Empf\u00e4ngerorganismen um solche der Risikogruppe 1 und wurde ein als biologische Sicherheitsma\u00dfnahme anerkanntes Vektor-Empf\u00e4nger-System verwendet, dann werden die entstehenden GVOs ebenfalls in die Risikogruppe 1 eingestuft und die gentechnischen Arbeiten in S1.<\/li>\n\n\n\n<li>Beispiele f\u00fcr anerkannte Empf\u00e4ngerorganismen sind E. coli K12 Derivate, E .coli BL21 und prim\u00e4re oder etablierte eukaryotische Zellen der RG 1.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Generell gelten bei gentechnischen Arbeiten mit derartig eingestuften Nukleins\u00e4ureabschnitten folgende <span style=\"text-decoration: underline\">zus\u00e4tzliche<\/span> Schutzma\u00dfnahmen:<\/p>\n\n\n\n<ul>\n<li>Bei Arbeiten mit Nukleins\u00e4uren mit dem o. g. Gef\u00e4hrdungspotential sollen Einmalhandschuhe getragen werden.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Gebrauch von scharfen, spitzen oder zerbrechlichen Laborgegenst\u00e4nden soll nach M\u00f6glichkeit vermieden werden.<\/li>\n\n\n\n<li>Laborplatz und Laborger\u00e4te, die mit diesen Nukleins\u00e4uren in Ber\u00fchrung kommen, sollen nach Beendigung der T\u00e4tigkeit sorgf\u00e4ltig gereinigt werden.<\/li>\n\n\n\n<li>Laborabf\u00e4lle, die solche Nukleins\u00e4uren enthalten, sollen durch Autoklavieren oder chemisch denaturiert werden. Achtung: es sind nicht nur GVO-haltige Abf\u00e4lle gemeint!<\/li>\n\n\n\n<li>Personen mit erheblichen Hautverletzungen (offene Ekzeme, Wunden und Infektionen) oder mit einer ausgepr\u00e4gten Verrucosis (Warzenausbildung) sollten keine Arbeiten mit diesen Nukleins\u00e4uren durchf\u00fchren.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Diese Ma\u00dfnahmen sind <strong>nicht <\/strong>erforderlich, wenn es sich beim Empf\u00e4nger um prim\u00e4re oder etablierte Zelllinien der RG 1 handelt <span style=\"text-decoration: underline\">und<\/span> alle \u00fcbertragenen Nukleins\u00e4uren im Wirtsgenom integriert und nicht stabil episomal vorliegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Einstufung von etablierten Zelllinien siehe <a href=\"https:\/\/zkbs-online.de\/datenbanken\/zelllinien\">die Datenbank der ZKBS<\/a>, f\u00fcr die Einstufung von Prim\u00e4rzellen die ZKBS-Stellungnahme <a href=\"https:\/\/zkbs-online.de\/fileadmin\/user_upload\/Downloads\/Stellungnahmen\/Zellbiologie\/Primaerzellstellungnahme_2010.pdf\">Az. 6790-10-03<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Achtung! Besonderheiten bei Nutzung viraler Systeme:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Werden bei gentechnischen Arbeiten zur \u00dcbertragung entsprechender Nukleins\u00e4uren virale Vektoren verwendet, gelten unter Umst\u00e4nden erh\u00f6hte Ma\u00dfnahmen f\u00fcr den Personenschutz:<\/p>\n\n\n\n<ul>\n<li><strong>Retrovirale Systeme:<\/strong> Hier spielt die Art der Pseudotypisierung eine Rolle. K\u00f6nnen verwendete Vektoren humane Epithelzellen der Nasen-, Mund- oder Rachenschleimhaut transduzieren, wird zur Vermeidung einer Schmier- oder Tr\u00f6pfcheninfektion das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes empfohlen. Dies betrifft auch VSV-G-pseudotypisierte Vektoren aufgrund des breiten Zelltropismus. K\u00f6nnen hingegen humane Lungenepithelzellen transduziert werden, dann muss eine FFP3-Maske getragen werden. Siehe ZKBS-Stellungnahme (<a href=\"https:\/\/zkbs-online.de\/fileadmin\/user_upload\/Downloads\/Stellungnahmen\/Vergleichbarkeit_gentechnischer_Arbeiten\/retrovirale_Vektoren_2020.pdf\">Az. 6790-10-41<\/a>).<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Adenoviren und AAVs:<\/strong> Achtung, diese Arbeiten sind in S2 eingestuft, obwohl mittlerweile Arbeiten mit AAVs sonst in S1 eingestuft werden! Es gelten zudem zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen zum Personenschutz! F\u00fcr Details siehe die ZKBS-Stellungnahme (<a href=\"https:\/\/zkbs-online.de\/fileadmin\/user_upload\/Downloads\/Stellungnahmen\/Zellbiologie\/Adenovirale___AAV-abgeleitete_Partikel_und_Onkogene_2020.pdf\">Az. 6790-10-83<\/a>)<\/li>\n\n\n\n<li>V<strong>irus\u00e4hnliche Partikel<\/strong>: Die Vorgaben der ZKBS-Stellungnahme <a href=\"https:\/\/zkbs-online.de\/fileadmin\/user_upload\/Downloads\/Stellungnahmen\/Viren\/RNA-Viren__Minigenome__Replikons___virus%C3%A4hnliche_Partikel__2021_.pdf\">Az. 45310.0118<\/a> sind zu beachten.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bei gentechnischen Arbeiten mit Nukleins\u00e4uren mit neoplastisch transformierenden Potential sind weitere Schutzma\u00dfnahmen einzuhalten, die \u00fcber die allgemeinen Ma\u00dfnahmen der GenTSV f\u00fcr die entsprechende Sicherheitsstufe hinausgehen. Die Bewertung inkl. der sich daraus ergebenden Ma\u00dfnahmen muss sich in der Risikobewertung der Arbeiten wiederfinden, die immer vor (!) Start des Projektes durchzuf\u00fchren ist. Die zu beachtenden Ma\u00dfnahmen m\u00fcssen dann in die S1 oder S2 Labor Betriebsanweisung mit aufgenommen und die Besch\u00e4ftigten dazu unterwiesen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Risikobewertung gentechnischer Arbeiten betrachtet u.a. Nukleins\u00e4uren, die in Organismen eingebracht werden und so zum Gefahrenpotential des entstehenden GVOs beitragen k\u00f6nnen. Hierzu geh\u00f6ren Nukleins\u00e4uren mit sog. neoplastisch transformierenden Potential. 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