{"id":230,"date":"2025-11-17T13:57:36","date_gmt":"2025-11-17T12:57:36","guid":{"rendered":"https:\/\/news.uni-goettingen.de\/sicherheitswesen\/?p=230"},"modified":"2025-11-18T11:23:52","modified_gmt":"2025-11-18T10:23:52","slug":"externer-transport-von-gvos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/news.uni-goettingen.de\/sicherheitswesen\/2025\/11\/17\/externer-transport-von-gvos\/","title":{"rendered":"Externer Transport von GVOs"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Transport von gentechnisch ver\u00e4nderten Organismen (GVOs) au\u00dferhalb von gentechnischen Anlagen \u00fcber die Stra\u00dfe unterliegt den Regelungen des Gefahrgutrechts.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Dies betrifft z.B. den Versand von Proben, aber auch den Transport mit dem Auto innerhalb G\u00f6ttingens zwischen zwei Anlagen. Je nach Eigenschaften werden die Proben gem\u00e4\u00df den Regelungen in Gefahrgut-Klassen eingeteilt, aus denen sich wiederum Vorgaben hinsichtlich der Art der Verpackung, der Kennzeichnung des Pakets sowie den Transportvorschriften ergeben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Grundlagen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Basis bildet das Europ\u00e4ische \u00dcbereinkommen \u00fcber die internationale Bef\u00f6rderung gef\u00e4hrlicher G\u00fcter auf der Stra\u00dfe (Abk\u00fcrzung ADR). Im Folgenden werden die relevanten Teile f\u00fcr den Transport von Mikroorganismen mit Schwerpunkt GVOs dargestellt. Folgende Einteilung ist zu beachten:<\/p>\n\n\n\n<ul>\n<li><span style=\"text-decoration: underline\">Krankheitserreger<\/span>, also Mikroorganismen (einschlie\u00dflich Bakterien, Viren, Parasiten und Pilze) und andere Erreger wie Prionen, die bei <span style=\"text-decoration: underline\">Menschen oder Tieren<\/span> Krankheiten hervorrufen k\u00f6nnen. Diese gelten als sog. ansteckungsgef\u00e4hrliche Stoffe und sind der Klasse 6.2 zugeordnet (ADR 2.62). Es erfolgt eine Unterteilung in verschiedene Kategorien mit Auswirkungen auf Verpackung, Kennzeichnung usw.; dies gilt selbstverst\u00e4ndlich auch f\u00fcr GVOs. Details hierzu finden sich auf der entsprechende Seite des Bereichs Umweltschutz inkl. einem detaillierten Merkblatt f\u00fcr den Versand von biologischen (und medizinischen) Proben: <a href=\"https:\/\/www.uni-goettingen.de\/de\/gefahrgutrecht\/368.html\">https:\/\/www.uni-goettingen.de\/de\/gefahrgutrecht\/368.html<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><span style=\"text-decoration: underline\">Nicht infekti\u00f6se<\/span> Organismen (die also den oben genannten Kriterien nicht entsprechen) sind der Klasse 9 zuzuordnen und als UN3245 zu klassifizieren, wenn sie in der Lage sind, Tiere, Pflanzen oder mikrobiologische Stoffe in einer Weise zu ver\u00e4ndern, die normalerweise nicht aus nat\u00fcrlicher Reproduktion resultiert (siehe ADR 2.2.9.1.11).<\/li>\n\n\n\n<li>Sind die Organismen weder infekti\u00f6s noch in der Lage, Lebewesen anders als in der Natur vorkommend zu ver\u00e4ndern, treffen Gefahrgutvorschriften <span style=\"text-decoration: underline\">nicht<\/span> zu (ADR 2.2.9.1.11, Punkt 3). Es gelten aber andere rechtliche Vorgaben, wie z.B. die Vorschriften zum externen Transport von GVO aus der GenTSV.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Was hei\u00dft das in der Praxis?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol>\n<li><strong>Beurteilung der Infektiosit\u00e4t<\/strong>: Wichtig ist die Einstufung in Risikogruppen, wobei bei der Einstufung f\u00fcr den Transport daran zu denken ist, dass es nicht nur um humanpathogene Eigenschaften, sondern auch um Tierpathogene geht!<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Beurteilung des horizontalen Gentransfers bei nicht infekti\u00f6sen GVO<\/strong>s: Ist der GVO in der Lage andere Organismen zu ver\u00e4ndern. Dies kann verneint werden, wenn enthaltene Vektoren\n<ul>\n\n<li><strong>keinen breiten Wirtsbereich haben,<\/strong><\/li>\n\n\n<li><strong>Vektoren f\u00fcr Prokaryoten kein eigenes Transfersystem und eine geringe Mobilisierbarkeit besitzen,<\/strong><\/li>\n\n\n<li><strong>Vektoren auf viraler Basis in eukaryoten Zellen replikationsdefekt sind<\/strong>.<\/li>\n\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Kurzum, sie erf\u00fcllen die Kriterien f\u00fcr Vektoren als Teil einer <strong>biologischen Sicherheitsma\u00dfnahme<\/strong>, wie in der entsprechenden Stellungnahme der ZKBS erl\u00e4utert. Netterweise liefert die ZKBS eine fortlaufend aktualisierte Vektorliste inkl. Kennzeichnung der Eignung als biol. Sicherheitsma\u00dfnahme: <a href=\"https:\/\/zkbs-online.de\/datenbanken\/empfaengerstaemme\">Link zur Datenbank und Stellungnahme<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Beispiele:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td><strong>GVO<\/strong><\/td><td><strong>Klasse<\/strong><\/td><td><strong>Transportvorgaben<\/strong><\/td><\/tr><tr><td>E. coli K12 Derivate (zB DH5a, DH10B, TOP10, XL1 Blue) mit nicht selbst\u00fcbertragbaren, ungef\u00e4hrlichen Vektor<\/td><td>Kein Gefahrgut<\/td><td>P650 light *<\/td><\/tr><tr><td>Eukaryote Zellen der RG1, transduziert mit replikationsdefekten viralen Vektoren, kein Risiko der Komplementation durch Helferviren, die weit in der Wirtspopulation verbreitet sind.<\/td><td>Kein Gefahrgut<\/td><td>P650 light *<\/td><\/tr><tr><td>o.g. Zellen, nicht getestet auf Virusfreiheit und somit RG 2<\/td><td>Klasse 6.2, UN3373<\/td><td>P650 *<\/td><\/tr><tr><td>E. coli B Derivate (z.B. BL21)<\/td><td>Klasse 9, UN 3245<\/td><td>P904 *<\/td><\/tr><tr><td>Virus\u00fcberstand von gentechnisch ver\u00e4nderten Adenoviren (Ad5) zu Zwecke der Transfektion eukaryotischer Zielzellen<\/td><td>Klasse 6.2, UN3373<\/td><td>P650 *<\/td><\/tr><tr><td>Gentechnisch ver\u00e4nderter Listeria monocytogenes<\/td><td>Klasse 6.2, UN3373<\/td><td>P650 *<\/td><\/tr><tr><td>Gentechnisch ver\u00e4nderte Samen von Arabidopsis thaliana der RG 1<\/td><td>Klasse 9, UN 3245<\/td><td>P904 *<\/td><\/tr><tr><td>Genetisch ver\u00e4nderte lebende Tiere, von denen keine pathogene Gefahr f\u00fcr Menschen, Tiere, Pflanzen ausgeht (Ver\u00e4nderung betrifft nicht die Keimbahn bzw. die Tiere sind sterilisiert und geben keine Mikroorganismen einer h\u00f6heren Risikogruppe ab).<\/td><td>Kein Gefahrgut (ADR 2.2.9.1.11, Punkt 3)<\/td><td>Transport vorn transgenen Tieren unabh\u00e4ngig von ADR Regelungen immer gem\u00e4\u00df GenTSV in verschlossenen, bruchsicheren, ausbruchsicheren und desinfizierbaren Transportbeh\u00e4ltnissen, die f\u00fcr die jeweilige Tierart geeignet ist.<\/td><\/tr><tr><td>Lebende Tiere (egal ob GVO oder nicht) absichtlich infiziert mit einem Krankheitserreger (siehe Definition oben). (ADR 2.2.62.1.12.1)<\/td><td>Klasse 6.2<\/td><td>Eine Bef\u00f6rderung darf nur unter der von der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde genehmigten Bedingungen erfolgen. (ADR 2.2.62.1.12.1)<\/td><\/tr><tr><td>GVO Tiere der RG 1 mit Rezeptoren f\u00fcr human- oder tierpathogene Keime<\/td><td>&nbsp;<\/td><td>Box-in-Box System, wobei die innere Box mit keimdichten Filterschutz versehen ist und der \u00e4u\u00dfere zB durch ein Vorh\u00e4ngeschloss gesichert ist. Die WHO empfiehlt bei Rezeptoren f\u00fcr humanpathogene Keime die Aufschrift &#8222;<em>potentially biohazardous<\/em>&#8220; und die Kastration dieser Tiere vor dem Transport. (Quelle: <a href=\"https:\/\/www.gv-solas.de\/ausschuss_liste\/empfehlungen-zum-transport-gentechnisch-veraenderter-maeuse-und-ratten-der-risikogruppe-1-stand-november-2018\/\">SOLAS Information zum Transport von GVO Nagern der RG 1 von 12\/2021<\/a>).<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><figcaption class=\"wp-element-caption\">*Zus\u00e4tzlich: Hinweis &#8222;Dieses Produkt enth\u00e4lt genetisch ver\u00e4nderte Organismen&#8220; (Quelle GenTG \u00a717b)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Bei Fragen zum Thema wenden Sie sich bitte an die Gefahrgutbeauftragte, Dr. Maria-Magdalena Schaefer, oder die Koordinatorin f\u00fcr Biologische Sicherheit, Dr. Sonja Voget.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Transport von gentechnisch ver\u00e4nderten Organismen (GVOs) au\u00dferhalb von gentechnischen Anlagen \u00fcber die Stra\u00dfe unterliegt den Regelungen des Gefahrgutrechts. &hellip; <a href=\"https:\/\/news.uni-goettingen.de\/sicherheitswesen\/2025\/11\/17\/externer-transport-von-gvos\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":39,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[23],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/news.uni-goettingen.de\/sicherheitswesen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/230"}],"collection":[{"href":"https:\/\/news.uni-goettingen.de\/sicherheitswesen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/news.uni-goettingen.de\/sicherheitswesen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/news.uni-goettingen.de\/sicherheitswesen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/39"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/news.uni-goettingen.de\/sicherheitswesen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=230"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/news.uni-goettingen.de\/sicherheitswesen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/230\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":279,"href":"https:\/\/news.uni-goettingen.de\/sicherheitswesen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/230\/revisions\/279"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/news.uni-goettingen.de\/sicherheitswesen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=230"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/news.uni-goettingen.de\/sicherheitswesen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=230"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/news.uni-goettingen.de\/sicherheitswesen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=230"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}